Heute haben wir ein 16-Zoll MacBook Pro mit M2-Chip (Apple Silicon) und der Modellbezeichnung A2780 in der Werkstatt. Laut Kundenbeschreibung lässt sich das Gerät plötzlich nicht mehr einschalten.
Sämtliche Startversuche bleiben erfolglos; auch ein stundenlanges Laden am Ladegerät bringt keine Änderung. Dadurch hat der Kunde keinen Zugriff mehr auf seine Daten – eine Datensicherung mittels TimeMachine ist ebenfalls nicht vorhanden.
Um wieder Zugriff auf die Daten zu erhalten, muss man das Logic Board reparieren, damit das Gerät entweder vollständig in macOS bootet oder sich in die macOS-Wiederherstellung (Recovery) starten lässt. Nur so lassen sich die Daten retten, denn bei MacBook-Pro-Modellen seit 2016 ist die SSD fest mit dem Logic Board verlötet. Steckbare SSDs wie bei MacBook-Pro-Modellen bis 2015 gibt es nicht mehr.
So startest du das Gerät in die macOS-Wiederherstellung (Apple Silicon / M-Chip)
- Gerät ausschalten
- Ein-/Ausschalter gedrückt halten, bis auf dem Display „Startoptionen werden geladen“ erscheint
- Auf „Optionen“ klicken und mit „Fortfahren“ bestätigen
- In der Regel wird man aufgefordert, das Passwort eines Benutzers einzugeben
- Bei erfolgreichem Start ins Recovery werden die Dienstprogramme angezeigt
Daten über „Volume teilen“ auslesen
Im Recovery kannst du das Volume per USB-C- oder Thunderbolt-Kabel an einem zweiten Mac freigeben, um die Daten zu kopieren:
- MacBook mit einem anderen Mac (z. B. iMac oder MacBook) verbinden
- Im Recovery oben im Menü auf „Dienstprogramme“ → „Volume teilen“ klicken
- Das zu teilende Volume auswählen und mit „Jetzt teilen“ bestätigen
- Das Volume erscheint nun als externes Laufwerk auf dem zweiten Mac – du hast Zugriff auf die Daten
Da sich das besagte MacBook jedoch in keiner Weise mehr einschalten lässt und am angeschlossenen USB-C-Netzteil (ausgelesen mit einem USB-C-Multimeter) nur 5 V anliegen (im Normalbetrieb sind es 20 V), bleibt als einzige Option, das Logic Board wieder lauffähig zu bekommen und so den Zugriff auf die Daten zu gewähren.
Hinweis: Gerade bei MacBooks mit wissentlichem Wasserschaden, sollte man nicht endlos „herumprobieren“. Häufiges Ein-/Ausschalten und anschließen diverser Netzteile kann im ungünstigen Fall Folgeschäden verursachen.
Was bedeuten 5 V am USB-C-Port?
MacBooks werden häufig mit mindestens 30 W (z. B. MacBook Air) oder – wie in unserem Fall beim 16-Zoll MacBook Pro – mit bis zu 140 W geladen. Dafür muss eine deutlich höhere Ladespannung als 5 V am USB-C-Port anliegen, sonst wären die Ströme bei nur 5 V zu hoch.
Deshalb laden MacBooks typischerweise mit 20 V, um die Ströme gering zu halten, denn hohe Ströme bedeuten hohe Verlustleistung und damit einhergehend viel Abwärme. Dabei kommuniziert das MacBook mit dem Netzteil, und nur wenn alles in Ordnung ist, werden die 20 V am USB-C-Port freigeschaltet.
Liegt jedoch ein Kurzschluss auf dem Logic Board vor, findet diese Kommunikation zwischen dem USB-C-Controller auf dem Logic Board und dem Netzteil häufig nicht statt – das MacBook verharrt dann bei 5 V und lädt dementsprechend nicht.

Diagnose am Logic Board

Wir entfernen die Bodenabdeckung und messen zunächst die zwei wichtigsten Spannungen: PPBUS_AON und PP3V8_AON. Das Kürzel AON steht für Always On, das heißt: Diese Spannungen müssen auch dann vorhanden sein, wenn das MacBook vollständig ausgeschaltet ist. Sie versorgen viele Chips und Komponenten und sind essenziell für den Betrieb. Fehlt eine dieser Spannungen, lässt sich das Gerät nicht einschalten.

PPBUS_AON messen wir an der „Fuse“ (zu Deutsch Sicherung) mit 12,29 V, üblich sind etwa 12,6 V. Das kann auf fehlende Kommunikation mit dem PMIC (Power Management IC) hindeuten. Das ist auffällig, muss aber nicht die Ursache sein – es kann auch nur ein Symptom des eigentlichen Problems sein.
PP3V8_AON messen wir an einem NOSTUFF Pad (zu Deutsch nicht besetzten Lötpad) und liegt bei 0.007 V – das ist definitiv nicht in Ordnung und hier liegt unser eigentliches Problem.

Wir versetzen das Gerät in einen spannungsfreien Zustand, indem wir das USB-C-Netzteil entfernen und die Batterie trennen. Danach messen wir den Widerstand der Leitung PP3V8_AON gegen Masse: Er beträgt nur 0,2 Ω. Das ist deutlich zu wenig und sollte in der Regel im Megaohm-Bereich liegen. Dies deutet auf einen Kurzschluss der Leitung hin.

Da der Fehler häufig mit bloßem Auge nicht erkennbar ist, verwenden wir eine Wärmebildkamera zur Hilfe. Weil die Schutzschaltung des MacBook sofort greift und jegliche Spannung beim Einschaltversuch sofort unterbunden wird, auf PP3V8_AON , lässt sich der Kurzschluss am besten finden, indem wir mittels einem Labornetzteil eine kleine Spannung von etwa 1 V auf die Leitung geben. Anschließend beobachten wir mit der Wärmebildkamera, welches Bauteil auf dem Logic Board warm wird.


Dabei finden wir einen kurzgeschlossenen Filterkondensator mit den Spezifikationen 10 µF / 6,3 V. Nach dem Entfernen des defekten Kondensators ist die Leitung PP3V8_AON wieder kurzschlussfrei. Anschließend ersetzen wir ihn durch einen neuen Kondensator mit gleichen Spezifikationen.
Ergebnis
Nach dem Zusammenbau sehen wir sofort, dass am USB-C-Netzteil nicht mehr 5 V, sondern wieder die korrekten 20 V anliegen – das Gerät lädt die Batterie wieder einwandfrei. Das MacBook bootet anschließend vollständig in macOS. Damit haben wir nicht nur wieder Zugriff auf die Daten, sondern das Gerät auch vollständig repariert.

Warum Backups bei verlöteter SSD so wichtig sind
Bei modernen MacBooks mit verlöteter SSD ist eine klassische Datenrettung (SSD ausbauen und in ein anderes System stecken) nicht möglich. Umso wichtiger sind regelmäßige Backups, z. B. mit Time Machine auf eine externe SSD oder ein NAS. So ist man auch dann abgesichert, wenn das Logic Board einmal ausfällt.
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